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Mittwoch, 14. Juli 2021

Buchvorstellung: Bettboy Liebe & Feenstaub von Maine Lobster

Intelligenter Humor verbindet Science Fiction und Historie - keine Ahnung, wie dieses Genre heißt, das Maine Lobster alias Louise Bourbon ganz neu erfunden hat, aber es ist toll! Und ich bin überhaupt kein SciFi-Fan sonst. Okay, Star Wars geht. ;) 

Was für ein unglaubliches Abenteuer, und zwar nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für die Leserschaft! Hier nun meine Rezension: 

Ich musste beim Lesen mehrmals herzlich lachen und war jedes Mal froh, den Tipp der Autorin verworfen zu haben, unbedingt vorher frische Brioches zuzubereiten und beim Lesen zu essen. Ich hätte mich gnadenlos an den frischen, noch ofenwarmen Krümeln verschluckt. Mehrmals! Auf jeder Seite!

Schon jetzt sehe ich dieses unglaublich witzige, intelligente Werk von Monty Python höchstpersönlich verfilmt. Oh. Mein. Gott!

Der Leser, der nicht im mindesten ahnen kann, was ihn hier erwartet - und das meine ich absolut positiv -, wird Zeuge einer Liebesgeschichte, die ihn durchs ganze Weltall führt. Doch nicht nur das! Sogar spektakuläre Zeitreisen wird er erleben! Er erfährt endlich die Wahrheit über den Sonnenkönig und seine Sonnenkönigin und darüber hinaus, wo er noch viel mehr darüber erfahren kann!

Auch in der Unterwelt der griechischen Mythologie muss der Held, der zwar sehr reich, aber ein bisschen einfach gestrickt ist, beweisen, dass er zu viel mehr fähig ist, um die Liebe seines Lebens retten zu können. Er bekommt zum Glück viel prominente Hilfe und muss sich zudem an die richtige Reihenfolge, vorgegeben durch den Autor, halten.

Das Buch hat keine 300 Seiten, aber wenn man damit durch ist, hat man einen Ritt hinter sich, der mit Witz, absolut wundervollem Schreibstil, Historienkenntnis, dem ultimativen Brioche-Rezept und einfach viel unbändiger, alberner Freude nach Mehr schreit! Außerdem sind hier jede Menge tolle EasterEggs versteckt. Wer weiß, ob ich beim ersten Mal schon alle gefunden habe.

Wow, echt, ich glaube, ich muss es gleich nochmal lesen! 

Dieses Buch ist wirklich etwas ganz besonders! Danke mit Knicks!


Montag, 21. Juni 2021

Buchvorstellung zu "Mit Lampenfieber und Musik" von Heike Sonn

Eine chaotische Flucht vor dem Glück
 
Es ist Sonntag. Während ich hier auf meinem schattigen Balkon sitze und den Amseln bei ihrem Gesang lausche, schreibe ich die Rezension zu Heike Sonns Roman, den ich letzte Nacht zu Ende gelesen habe.

Gottseidank und leider zugleich. Gottseidank, weil ich manchmal nicht fassen konnte, dass  die Hauptperson Tessa immer und immer wieder die Flucht vor dem Leben ergriff. Und leider, weil ich Tessa und die musikalische Großfamilie um Inga, Sara, Ben und all die anderen nicht einfach so mit dem Beenden des Buches weglegen kann und will.

Aber von vorn: Tessa hilft den Brüdern Ben und Andy, Mitglieder einer Band, bei der Flucht vor kreischenden Fans. Noch am gleichen Abend sehen sie sich wieder, weil die beiden schon wieder ihre Hilfe - diesmal in Form einer Übernachtung - benötigen.

Die Brüder schleifen Tessa am nächsten Tag mit zu ihrer Großfamilie, die sich in der Musikwelt als "Die Tyscons" einen Namen gemacht hat. Bei ihnen wird dringend eine Kinderfrau benötigt. Aber nicht alle sind so begeistert wie Ben und Andy. Inga, große Schwester und Oberhaupt der Familienband, lehnt ihre Hilfe ab, sieht in Tessa nur eine Bedrohung, die sich in die berühmte Familie einschleichen will. Auch Simon, der ständig auf Konfrontationskurs mit ihr ist und seine Abneigung gegen sie offen zeigt, ist ein harter Brocken.

Aber da ist auch die stille Sara, die Tessa sofort in ihr Herz schließt und die für sie noch ganz besonders wichtig werden wird. Tessa hat einen Draht zu den Kindern, auch zu Ingas kleinem Sohn. Eigentlich wollte sie mal Erzieherin werden, doch daraus wurde nichts. Trotz all den widersprüchlichen Meinungen wird sie bald ein unverzichtbarer Teil der Familie und des Haushalts.

Wären da nicht all jene Dinge, die Tessa ständig aus der Bahn werfen. Ihr Exmann zum Beispiel, ein absolutes Scheusal, aber Liebling ihrer Mutter, welche dauernd ungefragt auftaucht und Tessa unmöglich behandelt. Oder die Nachbarin Frau Twachtmann - meine Güte - da muss man schon Nerven haben!

Und dann ist da noch Tessas Ring. Der mit dem verschlüsselten Schwur, den sich Tessa selbst und für immer auferlegt hat und der sie ständig zurückwirft und einengt. Aber das bemerkt sie nicht. Andere Dinge will sie nicht bemerken, Bens Blicke zum Beispiel.

Dieser Roman geht tiefer, als der Titel zunächst vermuten lässt. Tessa ist eine zutiefst verletzte und unsichere Frau, die von früheren Erlebnissen und neuen Gefühlen hin- und her geschüttelt wird. Man möchte sie abwechselnd in den Arm nehmen, schütteln, sie anschreien, in ihr Glück schubsen oder ihre Hand halten. All diese Aufgaben hat im Buch das Mädchen Sara übernommen, eine starke kleine Persönlichkeit, die über sich hinauswächst. 

Wenn es mal einen zweiten Teil geben sollte, werde ich ihn auf jeden Fall lesen. Allerdings hoffe ich, dass Tessa dann nicht mehr ständig davonläuft, wenn das Glück an ihre Tür klopft. Wie sagte jemand über Tessa: "Wenn ich einen Schritt auf sie zugehe, weicht sie drei zurück." Ja, dieser Satz fasst perfekt zusammen, was ich beim Lesen die ganze Zeit gedacht habe. 

Der Schreibstil der Autorin hat mich ebenfalls sehr überzeugt. Jeder Satz ist wohldurchdacht, bei einigen Formulierungen dachte ich: "Och wie schön!" Das Lesen hat mir viel Freude bereitet und ich bin schon jetzt gespannt auf mehr!

Heike, wann gibt's mehr von dir zu lesen? 

Montag, 14. Juni 2021

Buchvorstellung zu "Das Geheimnis der Untoten" von Mike Gorden

Ein dubioser Mordfall auf der bretonischen Insel verknüpft die Vergangenheit und die Gegenwart, wirbelt einen Entspannungsurlaub durcheinander und macht einen Streuner glücklich.

Wieder einmal durfte ich literarisch in die Bretagne reisen, und zwar diesmal auf die Île de Batz, die zum Departement Finistère gehört.
 
Der Roman "Das Geheimnis der Untoten" von Mike Gorden beginnt mit einer ausführlichen und bildhaften Beschreibung der Gegend und des Klimas, worüber ich mich sehr gefreut habe. Fast konnte ich die raue Seeluft spüren. Auch die Bewohner der Insel, natürlich waschechte Bretonen, sind sehr anschaulich beschrieben. Ja, sie sind brummig, bleiben gern unter sich, reden bretonisch, wenn sie sich mit dir nicht unterhalten wollen, aber sie sind auch grundehrlich, anständig und - wenn sie dich mögen - sehr gastfreundlich.
 
Das haben auch Mike und Maurice, die beiden Hauptpersonen, zu spüren bekommen. Sie sind ein Paar, auch wenn der etwas stoffelige Maurice die Beziehung gern herunterspielt. Dennoch spürt man an vielen Kleinigkeiten, dass ihm trotzdem etwas an Mike liegt, auch wenn er es nicht zugeben würde. Die beiden wollen auf der Insel zwei Wochen Urlaub machen und haben sich in der alten Mühle eingemietet. Doch es dauert nicht lange und ihr Urlaub wird ziemlich turbulent. Im Schlangenloch wird eine Leiche gefunden, ein Koffer verschwindet und taucht wieder auf, irgendwer verschafft sich ständig Zutritt zur Mühle.

Mike und Maurice nutzen ihre guten Verbindungen zum Festland, um auf eigene Faust Nachforschungen zu dem ungeklärten Mord anzustellen. Sehr zum Ärger des hierher beorderten Kriminalkommissars, der ganz offensichtlich weder Schwule noch Insulaner noch die bretonische Küche mag und den Fall so schnell wie möglich abschließen will.

Mike liebt die Vielfalt der Meeresfrüchte und Fische hier, denn er kann sich beim Einkaufen und Kochen kaum zurückhalten. Manchmal habe ich mich gefragt, wie die beiden das alles schaffen wollen. Zum Glück gesellt sich schon bald ein Dritter zu ihnen, nämlich Streuner. Der Hund ist auf der ganzen Insel zuhause, aber bei Mike und vor allem bei Maurice scheint er sich besonders wohlzufühlen. Maurice' spröde Ablehnung schlägt schnell in heimliche Sympathie um. Streuner jedenfalls freut sich über den ständig gefüllten Napf und hilft tatkräftig bei der Aufklärung des Falles mit.

Auf der Insel hört man immer mal wieder vom "Club der Untoten", doch niemand will darüber reden. Der in der Bucht gefundene Tote scheint jedoch irgendetwas damit zu tun zu haben.
Die Geschichte spielt abwechselnd im Heute und in den letzten Jahren des zweiten Weltkrieges, als die Deutschen die Insel besetzt hatten und die Mitglieder der Resistance um die Freiheit ihres Volkes kämpften. Beide Erzählstränge sind sehr interessant, der Rückblick in die Kriegszeit jedoch teilweise sehr erschütternd. Die Verbindung zwischen den Erzählsträngen liegt im Mühlturm verborgen.

Zur Erzählweise: Etwas ungewöhnlich ist hier, dass Mike Gorden die alte Rechtschreibung verwendet. Ungewöhnlich, aber nicht unangenehm. Wenn man viele Bücher aus dem vorigen Jahrhundert liest, ist das Auge noch an "daß" statt "dass" gewöhnt oder gewöhnt sich schnell wieder daran.
Der Autor erzählt sehr bildhaft, nutzt gern Vergleiche, die mal lyrisch, mal pompös anmuten. Ich persönlich finde das interessant und abwechslungsreich, denn es unterscheidet sich von der einfachen Büchersprache, die man heutzutage oft liest.

Da dieser Krimi nur ein Teil von dreien ist, in denen Mike und Maurice mitspielen, ist es natürlich spannend zu wissen, wie es ihnen vorher erging. Wie sie sich kennengelernt haben, wie sie ticken, was sie sonst so machen, wenn sie nicht gerade im Urlaub einen Mord aufklären. Auch wenn ich die anderen Teile noch nicht kenne, hatte ich trotzdem ein gutes Bild zu den beiden und zu ihrer Beziehung zueinander. Sie ist nicht super romantisch, manchmal etwas rau, aber sie hat eine ruhige, sichere Basis.

Ich danke dem Autor, dass ich die E-Book-Version im Rahmen der lovelybooks-Leserunde lesen durfte.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Gruseln für den guten Zweck - mit der neuen Sternzeit-Anthologie

"Noch eine Anthologie?", höre ich da den einen oder anderen sagen. Aber hey: Diese Kurzgeschichtensammlung ist etwas ganz Besonderes. 

Schau dir dieses Buch nur mal an!

Der Tiger springt dir beinahe entgegen. Du hast gar keine andere Möglichkeit, als nach dem Buch zu greifen, stimmts?

Der Umschlag des Taschenbuches fühlt sich samtig an, irgendwie lebendig. Vielleicht liegt das an dem, was drin steckt?

Denn diese 28 Geschichten und Gedichte werden dich nicht sanft in den Schlaf lullen. Nein, sie werden dir den Schlaf rauben, sie werden dich zittern lassen!

Du wirst dreimal kontrollieren, ob du deine Haustür abgeschlossen hast, wirst deine Kellertür verbarrikadieren, eine Eisenpfanne unter dem Kopfkissen verstecken, die Jalousien herunterlassen und deine Decke über den Kopf ziehen, bevor du das Buch aufschlägst und im Schein der Taschenlampe zu lesen beginnst ... Wie gesagt, die Anthologie hat es in sich.

Was uns Autoren dazu bewogen hat, mitten im Sommer Gruselgeschichten zu veröffentlichen?

Das war die gemeinsame Freude am Schreiben, das Abenteuer, das dieses Genre uns eröffnet hat. Gruselgeschichten offenbaren unsere größten Ängste, aber auch fast immer eine Lösung dazu. Sie sind eine Flucht aus der realen Welt, beflügeln die Fantasie, lassen das Herz höher schlagen und uns sanft wieder auf dem Boden der Realität landen.

Haben wir nicht schon als Kinder gern Schauergeschichten erzählt und gehört? Die Gänsehaut genossen, die uns über den Rücken gekrochen ist? Und dabei geflüstert und das große Licht ausgeschaltet, um die knisternde Spannung bis zur Unerträglichkeit zu erhöhen?

Genau deshalb sind diese Geschichten entstanden. Von Anfang an war uns dabei klar, dass wir den Erlös spenden werden. Und zwar für Kinder.

Schon in der letzten Anthologie haben wir den Verein Viel Farbe im Grau e.V. unterstützt. Die lieben Menschen dort sorgen unter anderem dafür, dass schwerkranke Kinder sich einen ihrer größten Wünsche erfüllen können, zum Beispiel eine Reise ans Meer oder einen Flug mit dem Helikopter.

Wir als AutorInnen der Facebook-Gruppe "Autoren-Sternzeit" sind stolz darauf, dass wir mit dazu beitragen können, die Wünsche dieser Kinder zu erfüllen und ihnen und ihren Familien ein paar glückliche Momente schenken zu können.

Und womit könnten wir das besser als mit unseren Geschichten?

Wenn ich dich jetzt neugierig gemacht habe, dann musst du nur noch auf den Link im nächsten Satz klicken. Das Buch ist erhältlich als Taschenbuch und als eBook bei Amazon.

Dich erwarten fast 400 Seiten Spannung und Gänsehaut, unter anderem auch meine Geschichte "Pfotenwandler".

Gruselige Grüße,

Marlene



Montag, 17. Mai 2021

Buchrezension zu "Lavendel-Fluch" von Carine Bernard

Eine Leiche im Weinberg, ein alter Kaufvertrag, ein verschwundenes Château - als ich das las, wusste ich: Dieses Buch muss ich haben!

Durch einen glücklichen Zufall erhielt ich das Buch für meinen Blog als Rezensionsexemplar. Verregnete Wochenenden sind übrigens perfekt zum Schmökern geeignet. 😊



Ich fange mal bei Titel und Cover an: Beides hat mich sofort gepackt! Wer mich kennt, weiß, dass ich Lavendel liebe und alles, was mit ihm zu tun hat. Da mein Herz außerdem für Krimis und Frankreich schlägt, musste ich dieses Buch einfach lesen! Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Klappentext versprach schon Spannung pur, wobei mich hier beinahe mehr das Geheimfach des antiken Schreibtisches interessiert hat als die Leiche im Weinberg.

In der Geschichte begleiten wir die angehende Commissaire Lilou, die sich mit ihrem Freund gerade bei einem romantischen Picknick vom letzten größeren Fall erholen will, als sie schon zum nächsten Tatort gerufen wird.

Lilou wird von dem einen oder anderen Kollegen noch nicht so ernst genommen, aber ihr Vorgesetzter vertraut ihr und drückt auch mal ein Auge zu, wenn sie im Alleingang Dinge in Erfahrung bringt. Mehr als einmal begibt sie sich dabei in Gefahr. Ab der zweiten Hälfte konnte ich vor Spannung das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Parallel zum Mordfall im Weinberg entdecken sie und ihre Freundin Claire im Geheimfach eines alten Schreibtisches einen Kaufvertrag über ein Château aus dem Jahr 1933. Bei der Suche nach dem offenbar verschwundenen Château Madeleine werden immer mehr Geheimnisse offenbart, die mit der Leiche aus dem Weinberg zusammenhängen und wohl auch mit einem tödlichen Unfall.

Sehr positiv ist mir die Schreibweise der Autorin aufgefallen. Die Sätze hatten eine gewisse Persönlichkeit, waren auch mal ein bisschen länger und nicht so glattgebügelt und einfach, wie das heute leider viel zu oft vorkommt. Manche Sätze habe ich direkt zweimal gelesen, weil sie mir so gut gefallen haben.

Anfangs habe ich ein wenig gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen, was zum Teil an den vielen Personen lag, die erst einmal eingeordnet und abgespeichert werden mussten. Die Akteure waren allesamt sehr anschaulich dargestellt, so dass ich immer ein Bild dazu hatte. Auch die Gegend um Carpentras und überhaupt die Provence mit ihren Lavendelfeldern wurden schön beschrieben, aber ich persönlich hätte gern noch mehr davon gehabt – das liegt aber sicher am Fernweh und nicht am Roman.

Sehr gut hat mir gefallen, wie die Arbeit von Mordkommission und Staatsanwaltschaft beschrieben wurde. Man merkt, dass die Autorin hier gut recherchiert hat.

Noch ein Detail, was ich sehr sympathisch fand: Im Buch gibt es einen Hund namens Raffut, über dessen Erscheinen ich mich jedes Mal wieder gefreut habe. So einen aufmerksamen, verrückten und freundlichen Kerl habe ich nämlich auch hier.

Ich danke der Autorin Carine Bernard und dem Verlag Droemer Knaur, dass sie mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!

Montag, 5. April 2021

Buchrezension zu "Lavendeltage in der Auberge de Lilly" von Marion Stieglitz

Ich hatte euch vor ein paar Tagen ja erzählt, dass ich im Zuge der lovelybooks-Leserunde zum neuen Buch von Marion Stieglitz ein Rezensionsexemplar gewonnen habe. Als Lavendelliebhaberin war das wie ein Ostergeschenk für mich. Und ich wurde nicht enttäuscht. Das einzig Enttäuschende war, dass das Buch irgendwann zu Ende war. 

Hier nun meine Rezension:

 


Wie ein kleiner Urlaub

Der Roman „Lavendeltage in der Auberge de Lilly“ kam für mich genau richtig, denn ich brauchte gerade eine kleine Auszeit vom Alltag. Vom ersten Kapitel an war ich stets an Helens Seite, habe mit ihr die hübschen kleinen Orte besucht, neben ihr am Tisch in der Auberge gesessen und sie natürlich auch in den traumhaften Lavendelladen in Bédoin begleitet.

Die Autorin Marion Stieglitz hat die Schauplätze so anschaulich beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst dort zu sein. Auch die Personen hat sie sehr liebevoll beschrieben.

Helen, die Hauptperson, ist in Karlsruhe gerade mit ihrem Café gescheitert und versucht sich eine neue Existenz aufzubauen. Der Auftrag einer Großkantine muss in ein paar Tagen vorgestellt werden. Deshalb hat sie eigentlich überhaupt keine Zeit, jetzt mit ihrem Freund Leo und dessen klapprigem VW-Bus einen Kurztrip in die Provence zu unternehmen. Außerdem liegt ihr ständig ihre Schwester Nadine im Ohr und hat jeden Tag neue Vorschläge für ihr Kantinenkonzept.

Als der VW-Bus in der Nähe von Pivette den Geist aufgibt, kommen die beiden in der Auberge de Lilly unter. In den wenigen Tagen ihres Aufenthalts gerät Helens Leben völlig aus den Fugen und sie zweifelt an sich selbst, an ihrer Beziehung zu Leo und ihrer beruflichen Zukunft. In ihrer Zerrissenheit trifft sie auf den Pariser Marcel Perrin, einen landesweit bekannten Gastronomen, der überaus attraktiv ist und außerdem einen neuen Besitzer für seinen Lavendelladen sucht. Ob das ein Wink mit dem Schicksal ist?

In all dem Gefühlschaos lernt Helen ein paar außergewöhnliche Menschen kennen. Da ist zum einen Marianne, eine ältere Dame, zu der sich in kürzester Zeit eine schöne Freundschaft entwickelt; zum anderen sind da die beiden Reikimeister Sunita und Hari, die Helen und Leo seltsame Tagesaufgaben stellen, mit denen Helen zunächst nichts anfangen kann und will.

Diese Geschichte ist für Helen eine Reise zu sich selbst und für die Leser eine Reise in die Provence. Zwischen Lavendel, Rosmarin und Coco Chanel lässt sich so wunderbar der Alltag vergessen, der uns im Moment alle zu Hause hält. Also am besten ein Lavendelsäckchen aufs Kopfkissen gelegt, das Buch geschnappt und sich in den Urlaub gelesen.


Montag, 1. März 2021

Buchvorstellung: Die Macht der Akademie von Neal Skye

 Keine leichte Kost – spannender Krimi um einen schwedischen Geheimbund

 Neal Skye hat hier ein Werk geschaffen, das es in sich hat. Hier ist beim Lesen in jedem Satz, in jedem Kapitel höchste Konzentration gefordert.

Unglaublich viele Personen spielen eine Rolle. Was die Akademie ist, welche Rolle sie spielt und wer alles dazugehört, bekommt der Leser hier nur sehr langsam präsentiert. Erst ganz am Schluss weiß man, wer in diesem schwedischen Geheimbund, der mafiaähnliche Strukturen aufweist, welche Rolle spielt. Aus vielen einzelnen Fäden wird zum Ende ein logisches Netz gespannt, das Luft lässt für eventuelle Fortsetzungen der Reihe.

Im Mittelpunkt stehen zwei Handlungsstränge. Zum einen wird in Schweden die junge Verlobte des erfolgreichen Unternehmers Gustavsson entführt und er wird erpresst.

Zum anderen wird in Bremen eine junge Frau tot aufgefunden, die unter grausigen Umständen getötet wurde. Vor zehn Jahren fanden in Schweden sehr ähnliche Morde statt, die nie aufgeklärt wurden. Ein Zusammenhang wird vermutet.

Es wird parallel in Bremen und Stockholm ermittelt, auch wenn beide ermittelnden Behörden alles andere als glücklich über die erzwungene Zusammenarbeit sind.

Denn da ist zum Beispiel die Hauptkommissarin Edda Valby aus Stockholm, die sehr herablassend und manchmal auch gemein agiert. Unter ihrer ätzenden Art leiden sowohl ihre Kommissare als auch ihre Bremer Kollegin Fischer und deren Abteilung.

Es war nicht immer leicht, der Handlung zu folgen. Ab und zu habe ich vorhergehende Kapitel nochmals lesen müssen, weil ich mir nicht alle Namen und deren Rolle gemerkt hatte. Das straffe Lesetempo wird durch die kurzen Kapitel festgelegt. Das Buch nach ein paar Kapiteln entspannt zur Seite zu legen, ist fast nicht möglich, weil man sich erst wieder reinlesen muss. Das war teilweise etwas anstrengend, aber dennoch war die ganze Geschichte durchweg spannend.

Am Ende wurde alles recht flott aufgelöst. Ich als Leserin war froh darüber, denn irgendwann wollte ich einfach nur noch wissen, wie jetzt alles zusammenhängt. Eine Kurzgeschichte im Anhang gibt Einblicke über einen wichtigen Ermittlungserfolg, der zunächst jedoch übersehen wurde. Die Idee gefällt mir sehr gut.

Ich würde, wenn es möglich wäre, 4,5 von 5 Sternen geben, denn was mich beim Lesen ziemlich gestört hat, waren die häufig auftretenden Tipp- und Grammatikfehler. Manchmal fehlten ganze Wörter oder es wurden Wörter vertauscht. Da hat nach meiner Meinung das Korrektorat des Verlags nicht gut aufgepasst. Dem Autor mache ich hier keinen Vorwurf, denn diese Art von Fehlern übersieht man wahrscheinlich bei seinem eigenen Werk, weil man ja weiß, worum es geht und dadurch flüchtiger liest.

Der Schreibstil des Autors gefällt mir ansonsten sehr gut, allerdings fehlten mir ab und an ein paar persönlichere Hinweise zu den Protagonisten. Keiner von ihnen ist mir besonders positiv oder negativ in Erinnerung geblieben, außer vielleicht Edda Valby, die aber sicher auch nicht nur auf ihre arrogante Art ihren Kollegen gegenüber reduziert werden müsste. 

Fazit: Spannende Story um einen Geheimbund, über den ich gern mehr lesen würde. Fortsetzung erwünscht. Aber ein bisschen mehr Persönlichkeit und eine nochmalige Korrektur seitens des Verlages wären wünschenswert.

Mittwoch, 10. Februar 2021

Buchvorstellung: "Bonjour Deutschland!" von Martine Lestrat

Dieses Buch hat mir wirklich viel Freude bereitet. Martine Lestrat ist vor vielen Jahren von Nordfrankreich nach Deutschland ausgewandert. Ohne Sprachkenntnisse, ohne Job, aber dafür mit Liebe im Herzen und Optimismus im Blut. In "Bonjour Deutschland!" hat die sympathische Französin aufgeschrieben, wie sie ihre ersten Jahre hier erlebt hat. Martine macht dies mit sehr viel Humor. Jedes Kapitel ist so charmant verfasst, dass man am Ende nur eines denkt: "Das war's schon? Schade - bitte mehr davon!"

Mit nur wenigen einstudierten Sätzen wie "Großvater ist hungrig" und "Ich habe meinen Weihnachtswunschzettel gemacht" - Sätzen, die im Alltag nicht besonders hilfreich sind - kam sie in Deutschland an und stürzte sich in ihr neues Leben. Die deutsche Sprache lernte sie auf verschiedenen Wegen, aber ihre hilfreichsten Lehrer waren die Kinder eines Kindergartens, in dem sie gejobbt hatte. Kinder gehen viel natürlicher ans Sprachenlernen und -lehren heran als Lehrbücher. 

Französische und deutsche Gewohnheiten sind teilweise sehr unterschiedlich, wie Martine Lestrat feststellte. So nahm sie Abschied von den typisch französischen Begrüßungsküsschen und gewöhnte sich die herzlichen Umarmungen unter Freunden an. In ihrer Familie hat sie das Geknuddel inzwischen auch erfolgreich eingeführt. Schuhe für den Winter - gerade in diesem Jahr ist die Autorin sicher froh, dass sie die Vorteile dicker, warmer (und klobiger) Stiefel zu schätzen gelernt hat. 

Mir gefällt besonders, wie liebevoll und positiv Martine Lestrat ihre beiden Heimatländer vergleicht und beschreibt. Manches ist in Deutschland schöner, einfacher, praktischer. Anderes wiederum in Frankreich. Am schönsten ist es doch, wenn man von allem das Beste für sich selbst mitnehmen kann. Warum nicht ein bisschen französisches Flair nach Deutschland bringen? Warum nicht ein bisschen deutsche Umarmung nach Frankreich mitnehmen? Warum nicht Weihnachten so feiern, dass beide Traditionen miteinander im Einklang sind?

Martine Lestrat zeigt in "Bonjour Deutschland!", dass dies und noch viel mehr geht. Der Schlüssel dazu sind wir selbst. Wir alle können nebeneinander und miteinander leben, ohne dass einer dem anderen etwas wegnimmt, solange wir dabei nur freundlich und optimistisch sind. 

Liebe Martine, ich warte auf eine Fortsetzung und schicke dir ein paar französische bises und eine deutsche Umarmung - schließlich geht ja auch beides! 

Mittwoch, 27. Januar 2021

Buchvorstellung: Der Mann, der zu spät kam: Der letzte Vorhang

Das Buch "Der Mann, der zu spät kam: Der letzte Vorhang" habe ich wirklich mit Genuss gelesen. Es handelt sich um einen Thriller aus der Feder von J. M. Holland, den ich in einer Autorengruppe kennen- und schätzen gelernt habe.

Hollands Schreibstil ist klar, sehr gut lesbar und nach meiner Meinung fast perfekt. Jedes Wort gehört an seinen Platz, in jedem Satz steckt eine Aussage. Beim Lesen war ich vom ersten bis zum letzten Wort ganz nah am Geschehen. 

Zum Inhalt:

Mitten in der Vorstellung in einem alten Berliner Theater wird ein Schauspieler erschossen. Kommissar Nicke muss diesen vertrackten Fall, bei dem es keine Augenzeugen und keinerlei Hinweise gibt, aufklären.

Der Taxifahrer Barnie, der noch immer von seiner aktiven Theaterzeit träumt und das Theater so gut kennt wie kaum ein anderer, darf seinem alten Freund Nicke helfen, den Mord aufzuklären. Doch beide behalten zunächst einige Informationen für sich. Hat Barnie womöglich den mutmaßlichen Mörder als Fahrgast zum Theater transportiert, ohne es zu wissen? 

Das Finale dieses Thrillers, der ohne Brutalität und Blutvergießen auskommt, ist überraschend. Ich als Leserin habe die ganze Zeit Hinweise bekommen, aber durch den geschickt geknüpften Handlungsablauf falsch interpretiert. So mag ich das! Es gibt in einem Krimi oder Thriller, bei dem der Täter gesucht wird, ja nichts Schlimmeres, als wenn man in der Mitte der Geschichte schon weiß, wer es ist. Trotzdem möchte man natürlich seinen Teil zur Lösung des Falles beitragen und ahnen, dass man schon ganz dicht dran ist! Das ist dem Autor hier wirklich gut gelungen - das "Ach!" am Ende war ein großes "Ach!".

Beim Lesen wurde deutlich, wie gut sich der Autor in der Theaterwelt auskennt. Beinahe habe ich die Bühnenbretter knarren und die Vorhänge rascheln gehört. Ich wurde hier sehr gut mitgenommen und im Theater herumgeführt, auch hinter der Bühne. Das Berliner Viertel, in dem das Theater steht, wurde mir im Laufe der Geschichte ebenfalls sehr vertraut. 

Dazu muss ich sagen, dass ich noch nicht viele Romane gelesen habe, in dem das "Berlinern" so natürlich und echt wiedergegeben wurde wie hier. Mir sind schon mehrere Geschichten untergekommen, in denen der Dialekt total übertrieben oder einfach falsch aufgeschrieben wurde. Dialekt in Schriftform ist natürlich schwierig und nicht jeder, der darüber schreibt, ist auch ein waschechter Berliner, Kölner oder Ostfriese. Aber wenn man Mundart schreibt, sollte man entweder den Dialekt selbst beherrschen (so wie hier) oder sich jemanden suchen, der das auch in Schriftform kann. Das ist natürlich nur meine Meinung, aber mich persönlich schreckt es ab, wenn ein Dialekt - egal welcher - falsch wiedergegeben wird.

Fazit: Handlungsaufbau, Flair, Figuren, Spannung und Schreibstil haben mich vollends überzeugt.



Donnerstag, 24. September 2020

Buchvorstellung "Daddy: Weltbürger wider Willen"

Vor ein paar Wochen habe ich das Buch "Daddy: Weltbürger wider Willen" von meiner lieben befreundeten Autorin Nina Pfeffer Câmara gelesen.

Mich erstaunt immer wieder, wie viel ein Mensch erleben und verarbeiten kann, ohne daran kaputtzugehen. Die Geschichte handelt von Ninas Vater, der als Wanderschauspieler mit jüdischer Abstammung im Dritten Reich eigentlich ständig auf der Flucht gewesen war, bis er es irgendwann mit einem der letzten sicheren Schiffe nach Brasilien geschafft hatte, um sich dort mit seiner kleinen Familie ein neues Leben aufzubauen.

Die Geschichte hat mich sehr berührt und ich finde es toll, dass Nina die Aufzeichnungen ihres Vaters genommen, überarbeitet und veröffentlicht hat.

Solche Schicksale dürfen nicht vergessen werden, sie sollten meiner Meinung nach schon in der Schule besprochen werden. Was in den Weltkriegen geschehen ist, darf sich nicht wiederholen, doch gerade heute, wo Nächstenliebe und Miteinander nicht mehr so selbstverständlich sind, muss daran erinnert werden, wie wichtig Frieden ist!



Klappentext:

Schnell muss der junge Wanderschauspieler George M. Pfeffer erkennen, dass seine jüdische Abstammung ihm im III. Reich das Leben kosten kann, trotz seiner Taufe und christlich katholischer Erziehung. Die beste Tarnung bietet ihm das Theater, denn das Bühnenleben zwingt ihn und seine Familie nie länger als wenige Tage an einem Ort zu verweilen. Ein Trumpf, den nicht viele haben, auch wenn es für ihn einer Entwurzelung gleichkommt, stets alles hinter sich lassen zu müssen. Ungewollt, von den Wirren der Zeit getrieben, wird er zum Lebenskünstler – zu einem Wanderer wider Willen, geprägt von innerer Zerrissenheit, in ständiger Furcht, doch auch mit Mut und Stärke.
Eine ungewöhnliche jüdische Biographie und eine sehr persönliche Erzählung aus einer Zeit, die die ganze Welt erschütterte.

Für alle Colliens, Giseles und Karlas dieser Welt

  Starke Frauen – jetzt erst recht! 💜 Auf Instagram habe ich im März – dem Monat, an dem der Internationale Frauentag gefeiert wird – imme...