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Freitag, 10. Oktober 2025

20 Wünsche bis Silvester

Die wunderbare Marion von Beherzt Schreiben hat gestern ihre To-Want-Liste für den Herbst auf ihrem Blog gepostet und dabei so ein paar Rädchen bei mir in Gang gesetzt.

Ganz richtig, keine To-Do-Liste, sondern eine To-Want-Liste. Liest sich erstmal komisch, aber hat sie nicht recht? Ständig notieren wir uns, was wir noch alles erledigen MÜSSEN, dabei gibt es doch so viele schöne Dinge, die wir tun WOLLEN sollten.

Also habe ich bei meiner heutigen Gassi-Morgenrunde darüber nachgedacht, was ich bis zum Jahresende noch gerne machen möchte. Und da sind mir ein paar schöne Dinge eingefallen. Immerhin ist der Herbst meine liebste Jahreszeit und gibt den Staffelstab direkt an die Vorweihnachtszeit ab.

Hier also meine To-Want-Liste bis zum Jahresende:


Rund ums Schreiben

1. Die Rohfassung meines Romans fertigstellen und meiner ersten Testleserin überreichen. Derzeit stecke ich in der Überarbeitung, schiebe noch ein paar Szenen hin und her, spüre Lücken, Löcher und Logikfehler auf. Und das Ende muss ich auch noch schreiben. Irgendetwas hindert mich daran - ich werde herausfinden, was das ist.

2. Rezensionen verfassen. Vor kurzem war ich ziemlich erkältet und konnte noch nicht mal schreiben. Dafür habe ich aber richtig viel gelesen und meinen SuB verkleinert. Zu einigen der Bücher werde ich demnächst noch Rezensionen verfassen, denn da sind unter anderem die Bücher von Jürgen Knischewski, Enya Kummer und meiner liebsten Buchstabenfreundin Annelie Gerhard enthalten, die ich auf gar keinen Fall unkommentiert lassen möchte. 

3. Regelmäßig bloggen. Manchmal lasse ich mich so von meinem Alltag mitreißen, dass ich eine meiner liebsten Beschäftigungen, nämlich das Schreiben, versehentlich vergesse. Dabei mag ich Blogs (also auch meinen) total gern. Ich möchte langfristig einen Blogbeitrag pro Woche schaffen, starte aber zunächst mit zwei Beiträgen pro Monat. 

4. Ideen für meine Blogartikel notieren. Als Autorin bekommt man ja regelmäßig wunderschöne Notizbücher geschenkt, die fast zu schade zum Benutzen sind, aber natürlich niemals ungenutzt bleiben sollten.

5. Ideen für neue Bücher sortieren. Ich habe sooo viele Ideen, aber noch keine Priorität. Also möchte ich einfach mal alle Ideen in "schön" niederschreiben und dabei vielleicht herausfinden, worauf ich als Nächstes am meisten Lust haben werde.

6. Mit Autorenkolleg:innen zusammen einen Online-Adventskalender erstellen. Dazu kann ich im Moment noch nicht so viel sagen - seid gespannt.

7. Auf Instagram ein bisschen mehr zu meinem aktuellen Schreibprojekt verraten = die Hauptfiguren vorstellen, ein bisschen ins Setting und die Historie reinschnuppern lassen.

8.Im November an der Aktion #SchweigenBrechen teilnehmen, vielleicht mit Lesungen. Am 25. November findet der Orange Day statt. An diesem Tag, aber auch im gesamten Monat November, wird besonders auf Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Viele Infos dazu findet ihr auf der Seite vom Hilfetelefon.


Besondere Momente


9. Herbstmomente genießen. Das tue ich eigentlich sowieso täglich: 

bei meinen Gassirunden, 

beim Cappuccino oder Chai Latte am Nachmittag, 

beim Backen von Apfel-Streusel-Kuchen, 

beim Pilzesammeln, 

beim Kürbissuppe kochen, 

beim Lesen auf der Couch, eingemummelt unter der Wolldecke, während der Kamin prasselt.

10. Zeit mit meiner Familie verbringen. Ab September hat in unserer Familie eigentlich ständig jemand Geburtstag. Da alle weiter weg wohnen, freue ich mich, dass ich jetzt meine Liebsten häufiger sehen werde.

11. Weihnachtsplätzchen backen. Dieses Jahr definitiv früher als letztes Jahr und mehr davon - viel mehr.


12. Neue Rezepte ausprobieren. Seit ich mich vorwiegend pflanzenbasiert ernähre, wartet so eine Fülle an Rezepten auf mich, die ich unbedingt ausprobieren will, also wünsche ich mir gleich mal ein bisschen mehr Zeit in der Küche für mich.

13. Rechtzeitig Weihnachtsgeschenke besorgen und nachhaltig verpacken. 

14. Meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) weiter abbauen. Denn meine Weihnachtswünsche beschränken sich meistens auf Bücher, da brauche ich also Platz.

15. Meinen Schreibplatz optimieren bzw. mein Näh- und Schreibzimmer umräumen.

16. Zeit nur für mich finden. Das fällt mir zum Jahresende hin immer schwerer, weil einfach so viel auf mich einstürmt und so viele Termine anstehen, privat, beruflich und im Hobby.

17. Mich weniger von schlechten Nachrichten und negativen Kommentaren in den sozialen Medien triggern lassen.

18. Einen Pullover für mich nähen.

19. Ein Staudenbeet im Garten errichten.

20. Urlaub 2026 planen.



Donnerstag, 11. September 2025

Rezension zu "Die Passantin" von Nina George

Ein Roman, der nachhallt.

Nina George schreibt Romane, die berühren, ohne dabei kitschig zu sein. Sie erschafft Bilder, die bleiben und Figuren, die etwas zu sagen haben. Für mich ist sie eine Meisterin der Worte und ich freue mich auf jede Neuerscheinung. 

Mit Die Passantin hat sie mich aber so richtig erwischt. Vielleicht, weil es mein Thema ist. Vielleicht, weil es so ernsthaft ist. Manchmal unbequem und gleichzeitig hoffnungsvoll.

Während viele Romane (wie auch mein Buch Lügenjahre) häusliche Gewalt, toxische Beziehungen, patriarchale Handlungen im Jetzt zeigen, ist in Die Passantin die Protagonistin Jeanne Patou ganz plötzlich ein paar Schritte weiter:

Die gefeierte Schauspielerin hat durch einen schrecklichen Zufall die Möglichkeit, für tot gehalten zu werden. Aber ist sie wirklich frei, auch wenn sie die Freiheit auf dem Silbertablett angeboten bekommt? Sie könnte ihrem Mann entkommen, ihrem Peiniger, der sie zu seiner Marionette und zu seinem goldenen Zapfhahn gemacht hat.

Doch wenn sie tot ist, ist sie das nicht nur für sich, sondern vor allem für ihre beiden Töchter, für ihre Mutter, Freunde und für ihre Schauspielkarriere. Ein hoher Preis!

Ich glaube, nur Frauen, die jemals in einer solchen Beziehung gesteckt haben und nicht wussten, wie sie entkommen können, haben eine Ahnung, wie verlockend dieses Angebot sein kann. Auch meine Karla hat sich manchmal einfach "weg" gewünscht, wenn sie keine Kraft mehr hatte, um weiterzumachen. 

Jeanne Patou, die ihr früheres Leben und ihren wirklichen Namen für Bernard abgestreift hat, befindet sich also in Barcelona in einer Bar, während im Fernsehen ihr vermeintlicher Tod bekanntgegeben wird. Hin- und hergerissen zwischen diesem einmaligen Geschenk und den daraus resultierenden Verlusten wägt sie ab, fern von ihrem Pariser Zuhause. Sie weiß nur eins: Sie will nicht erkannt werden. Eine Begegnung führt sie zu einem Haus, in dem sie unsichtbar für die Außenwelt sein und nachdenken kann. 

In diesem Haus leben Frauen wie Jeanne: Frauen mit Narben im Gesicht und in der Seele, die ihr altes Leben abgestreift haben. Was sie erlebt haben, ist beim Lesen manchmal kaum zu ertragen.

Nina George hat die Geschichten der Frauen schonungslos, aber voller Liebe gezeichnet. Mit Worten, die wachrütteln, die wehtun, die trösten. Sie erzählt die Geschichte mit einer solchen Wucht, dass ich mich zwischendurch zu Lesepausen zwingen musste, um durchatmen zu können. 

Das Buch ist sicherlich nicht einfach zu lesen (literarisch definitiv, wie man das von der Autorin gewöhnt ist), aber es ist ein so wichtiges feministisches Buch. Es ist eindringlich, zeigt das Patriarchat aus vielen verschiedenen Blickrichtungen, zeigt die Verletzlichkeit und Stärke der Frauen. 

Der Spannungsbogen ist über den gesamten Roman hinweg äußerst hoch. Jedes Wort ist mit Bedacht gewählt, jeder Satz eine Melodie. Das ist Literatur vom Feinsten. 

Danke für dieses Buch, Nina! 

Donnerstag, 24. Juli 2025

Rezension zu "Der Äthiopier" von Dorrit Bartel

Ein Leben, das kaum in einen Roman passt

Eher zufällig bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, nämlich als ich mit meinem eigenen Büchertisch neben dem von Dorrit Bartel stand. Das war Ende April bei der Parchimer Buchmesse. Interessiert verfolgte ich die Gespräche am Stand über das Buch „Der Äthiopier“ und über Dorrits Erfahrungen in Afrika. Ich las den Klappentext und wusste, dass ich den Roman lesen musste.

In den letzten Tagen kam ich dann endlich dazu und jetzt lässt er mich sprachlos und nachdenklich zurück.

Adane ist ein äthiopisches Savannenkind, von seinem Vater als Schwächling bezeichnet und auf eine Missionsschule abgeschoben. Dort verliert er seinen eigentlichen Namen, muss Strafen über sich ergehen lassen, sich völlig neuen Regeln unterordnen. Er vermisst seine Mutter und seine Geschwister, doch es gibt kein Zurück.

Von da an ist und bleibt das Lernen Teil seines Lebens. Sein größter Wunsch ist es, Medizin zu studieren, um später Menschen helfen zu können. Doch geleitet und umgeleitet wird er immer und immer wieder durch die Politik seines Landes. Er kommt zum Studieren in die DDR und kehrt als Politiker zurück nach Äthiopien, wo das Ende des Sozialismus für ihn das Gefängnis und womöglich die Todesstrafe bedeutet. Doch er hat Glück und landet wieder im Osten Deutschlands. Dort ist sein Leben bestimmt von Lernen, harter Arbeit, Rassismus, aber auch von Liebe. Doch als er später in seine Heimat zurückkehrt, findet er dort seine Bestimmung.

Adanes Leben nachzulesen, ihn als Leserin zu begleiten, hat mich teilweise sprachlos gemacht. Wie dieser Mensch sich durchs Leben gekämpft hat und immer wieder neue Herausforderungen gemeistert hat, ist bewundernswert.

Über das Leben in Äthiopien oder in einem anderen afrikanischen Land weiß ich so gut wie nichts. Es ist eine völlig andere Welt. Die zum Teil erschütternde Geschichte von Adane hat mir sehr viel davon gezeigt. Trotz all der Umbrüche und Krisen hat er sich nie unterkriegen lassen. Er hat stets gearbeitet und gelernt, um voran zu kommen, und hat sich aufopfernd um andere gekümmert.

Ich bin froh, dass ich Dorrit Bartel kennengelernt habe und auf das Buch aufmerksam geworden bin. Der schnörkellose, eher berichtende Schreibstil hat mich von Seite zu Seite getragen und gefesselt. Ein perfekter Rahmen für diese Lebensgeschichte, die auf einer wahren Begegnung beruht.

Mein Fazit: Solche Geschichten müssen gelesen werden! 5 von 5 Sternen!



Mittwoch, 21. Mai 2025

Schreibroutine finden

Jetzt schreibe ich schon so lange, aber eine richtige Schreibroutine hatte ich noch nie. Zumindest bis vor ein paar Wochen. Ich hatte weder einen festen Ort noch feste Schreibzeiten und dachte, das brauche ich nicht. Und das, obwohl ich sonst ein sehr strukturierter Mensch bin.

Doch irgendwie fehlte mir die Motivation, dranzubleiben. Mehrfach fragte ich mich, wieso es mir so schwerfiel, mich hinzusetzen und zu schreiben.

Während einer meiner morgendlichen Gassirunden (immer zur gleichen Zeit, egal welches Wetter, egal welche Jahreszeit) machte es plötzlich Ping! Über das Gassigehen machte ich mir nämlich nie Gedanken. Ich tat es routiniert, ohne groß drüber nachzudenken. Anziehen, Hunde anleinen, Kackibeutel einpacken, losziehen. 

Das war DIE Idee! Ich musste mich also einfach an den Schreibtisch setzen, den Laptop aufklappen und drauflos schreiben. Sonst nix!

Teil dieser Erkenntnis war für mich übrigens auch, einen festen Schreibplatz einzurichten, sodass ich nicht noch unschlüssig mit dem Laptop hin- und herschleichen muss. Den Ort fand ich im Näh- und Gästezimmer. Stets liegt ein Notizblock bereit, auf den ich Punkte notiere, die während des Schreibens auftauchen, aber später gelöst werden können. Dann muss ich den Schreibfluss nicht unnötig unterbrechen, um etwas im Internet zu recherchieren. Das sind zum Beispiel Namen für eine Nebenfigur oder Infos zu einem historischen Schauplatz. 

Seither sieht mein Start in den Tag so aus: Aufstehen, duschen, ein großes Glas Wasser trinken, Hunde schnappen, rausgehen. Unterwegs stimme ich mich schon auf meine Geschichte ein. Wenn ich wieder zuhause bin, setze ich mich sofort an den Laptop (Handy ist gaaaanz weit weg), öffne die Datei und schreibe los. Durch das vorherige Visualisieren, während ich die Morgenluft inhaliere und über die taufrischen Wiesen laufe, bin ich schon fokussiert. 

Vorgenommen habe ich mir: eine halbe Stunde täglich und rund 500 Wörter.

Was ich schaffe: 30 bis 45 Minuten und 600 bis 800 Wörter. 

Ganz ohne Stress. Ohne Grübeln. Eher fällt es mir schwer, aufzuhören, aber der Brotjob ruft.

Die täglichen Schreibsequenzen helfen mir den ganzen Tag über dabei, ganz nah an der Geschichte zu bleiben. Nie waren mir meine Figuren näher als jetzt, haben sie mir mehr über sich verraten als sonst. 

Ohne Termindruck (den ich mir vorher selbst gemacht habe) sehe ich jetzt das Ziel vor Augen und das Wörtchen "Ende" rückt sichtbar näher.

Wie ist das bei dir? Hast du Schreibroutinen? Wenn ja, welche? 



Montag, 12. Mai 2025

Neuerscheinung: In vollen Zügen - eine Anthologie von Wortgewandt

 

So eine schöne Anthologie, die hier zusammen mit der Buchschmiede und dem Treffpunkt Schreiben entstanden ist. Dass meine Kurzgeschichte „Paradiesvögel“ Teil davon sein darf, macht mich unheimlich stolz und glücklich. 

„In vollen Zügen“ lautet der Titel. In 15 Texten wurde das Thema wunderbar vielfältig umgesetzt. Ich wurde mitgenommen auf Zugreisen der ganz besonderen Art und habe mein Herz an Figuren verloren, die ganz und gar nicht fiktiv wirkten, sondern echt und menschlich. Wenn ich solche Storys lese, bin ich mir hundertprozentig sicher, dass die KI es niemals schaffen wird, solche Tiefe, Wahrheit und Einzigartigkeit zu erschaffen.

Kauft, lest, verschenkt diese wunderschöne Anthologie. Der Reinerlös aus dem Buchverkauf geht an die Straßenzeitung Der Augustin. Deren Verkauf hilft Menschen, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Asylbewerber:innen, Armutsbetroffene usw.). 

Meine Highlights: 

„Bunter, freier, leichter“ von Jochen Mariss. Eine Wette, ein Apfel und ein Finale, das mich sehr hat schmunzeln lassen. Schöner Titel und fein zu lesen.

„Der Tag, an dem das Meer beschließt, nicht mehr zu rauschen“ von Sabrina Lior mit einem Thema, das wir solange ausblenden, bis es uns oder unsere Lieben erwischt. Die Autorin hat es in eine unglaublich liebevolle Geschichte verpackt, die mich sehr berührt hat.

„Die lange Nacht der Krokodile“ von Andreas Rodenheber hat mich ebenfalls sehr angerührt. Es geht um Verlust und die Erinnerungen, die bleiben dürfen.

Bei der erstplatzierten Geschichte „Elsi und Leonor“ von Claudia Vonmoos hat mich direkt der erste Satz geflasht.

In weiteren Geschichten geht es um die unheimliche Kraft von bespielten Alphörnern, um den Kampf von Licht und Dunkelheit, um unpünktliche Zugverbindungen, bei denen es beinahe um Leben und Tod geht.

Meine eigene Geschichte „Paradiesvögel“ möchte ich nicht bewerten. Nur so viel: die Idee hat mich beinahe überfahren, als ich für mein aktuelles Projekt recherchiert habe. Von der ersten Zeile an habe ich die Story nicht nur geschrieben, sondern gelebt, ja beinahe geatmet. Vielleicht, weil es eine tiefe historische Verbindung gibt, jedoch keine biografische.

Danke an Treffpunkt Schreiben, die Buchschmiede und das Jury-Team für die professionelle und herzliche Begleitung während der Entstehung. Das Ergebnis spricht für sich.

ISBN: 9783991811749
EUR 12,90

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