Donnerstag, 22. Januar 2026

Da bin ich wieder!

Wie ihr mitbekommen habt, liegt eine laaange Blogpause hinter mir. Der Grund: Von Spätherbst bis Spätwinter ist mein privates Ich ständig unter Strom. Deshalb habe ich so gut wie gar nicht geschrieben, weder an meinem Romanprojekt noch auf social media noch hier im Blog.

Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen, hattet ein schönes Weihnachtsfest, habt gelebt, gelacht, geliebt. 😊

Urlaub

Anfang Januar waren wir ein paar Tage im Urlaub. Mein Koffer war voll mit Büchern. Und zwischen endlos langen Strandspaziergängen an der verschneiten Ostsee, kleineren Ausflügen und Café- und Restaurantbesuchen habe ich vor allem gelesen. Herrlich, sag ich euch! 💜





Lesezeit

Zwei der Bücher haben mich voll erwischt. In beiden geht es um die Rolle der Frau, um narzisstische Verhaltensweisen, um Misogynie (= Frauenhass). Beide Romane spielen zu völlig unterschiedlichen Zeiten in komplett anderen Gegenden, aber sie verbindet eins: 

Der Kampf, als Frau ernstgenommen zu werden (oder auch der Kampf, als Frau zu überleben).


"Der gefrorene Fluss" von Ariel Lawhon


Maine, 1789: Als der Kennebec River zufriert und die Leiche eines toten Mannes im Eis sichtbar wird, soll Martha Ballard den Leichnam untersuchen und die Todesursache feststellen. Als Hebamme und Heilerin ist sie in vieles eingeweiht, was sich hinter verschlossenen Türen in der Kleinstadt Hallowell abspielt.

Ihr Tagebuch ist eine Aufzeichnung aller Geburten und Todesfälle, Verbrechen und Debakeln, die sich in der engen Gemeinschaft ereignen. Monate zuvor dokumentierte Martha die Einzelheiten einer angeblichen Vergewaltigung, die von zwei der angesehensten Herren der Stadt begangen wurde – einer von ihnen wurde nun tot im Eis aufgefunden.

So ist Martha sich sicher, dass sie es hier mit einem Mord zu tun hat. Doch ein örtlicher Arzt widerlegt ihre Schlussfolgerung und erklärt den Tod für einen Unfall.

Martha ist entschlossen, den schockierenden Mord auf eigene Faust zu untersuchen (Auszug aus dem Klappentext).

Ein historischer Krimi, der auf den Tagebucheinträgen der realen Person und Hebamme Martha Ballard basiert. Teils fiktional, teils real aufgearbeitet und unfassbar spannend. 

Ich konnte mich kaum von dem Buch lösen, war voller Bewunderung für diese mutige Frau. Martha wurde zwar zu fast jeder Geburt gerufen, aber gemocht wurde sie trotzdem nicht von allen. Doch sie hat sich nichts bieten lassen, hat immer für Gerechtigkeit gekämpft und "ihre Frauen" beschützt, so gut es ging. Und dabei - sehr ungewöhnlich für diese Zeit - hatte sie stets die volle Unterstützung ihres Mannes. 

Auch der Schreibstil der Autorin wurde dieser intensiven Geschichte gerecht, die Beschreibung des kalten Winters ließ mich beim Lesen manchmal selbst frösteln. 

Ein wirklich guter Roman und für alle geeignet, die historische Romane mit realen Hintergründen lieben. Von mir gibt es volle Punktzahl. 💜💜💜💜💜


"Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas

Eine radikal ehrliche Anklage an toxische Beziehungen und das System, das sie ermöglicht

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024 und für den aspekte-Literaturpreis 2024

Klappentext:

Die späten Nullerjahre, frühen 2010er Jahre in einer ostdeutschen Kleinstadt: Die schönste Version erzählt die Geschichte von Jella und Yannick, von der ersten großen Liebe, die alles richtig machen will. Bis es kippt. Wieder zurück in ihrem Kinderzimmer fragt Jella sich, wie es so weit kommen konnte. Sie schaut noch einmal genauer hin: auf ihr Aufwachsen in der Lausitz. Kleinstadt und Kiesgruben, Gangsterrap und Glitzerlipgloss. Auf Freundinnen, die sie durch so vieles trugen. Und auf den Moment, in dem Yannicks Hände sich um ihren Hals schlossen.

Die schönste Version ist die Geschichte eines Erwachens, Erkennens, Anklagens, eine große Introspektion: Ruth-Maria Thomas schreibt über das Frauwerden, Frausein, von Körpern, Begierden und tiefen Abgründen. Mit stilistischer Brillanz, großer Leichtigkeit und Drastik erzählt Ruth-Maria Thomas in ihrem funkelnden Debütroman von den schönsten Dingen. Und den schrecklichsten.

Eine völlig andere Geschichte, die in den 2010er Jahren in einer ostdeutschen Kleinstadt spielt. Die Geschichte um Jella und Yannick ist wuchtig, direkt, hart. Manchmal tut es weh, weiterzulesen. Dieses Buch ist nicht für jeden etwas. Der Untertitel "Eine radikal ehrliche Anklage an toxische Beziehungen und das System, das sie ermöglicht" sagt sehr viel darüber aus, was dich beim Lesen erwartet.

Hier ist nichts romantisch geschildert, es gibt keine blumigen Umschreibungen, sondern die Realität und den Alltag aus Sicht der Ich-Erzählerin Jella. Manche Szenen sind so direkt, dass sie abstoßend wirken.

Und wer selbst schon eine toxische Beziehung hinter sich hat, könnte in einigen Passagen an eigene Erlebnisse erinnert werden, die man vielleicht lieber weggeschlossen lassen möchte.

Auch mir ging es so. Die Autorin hat sehr gut die ersten ganz kleinen Anzeichen geschildert, die man leider selbst nicht sehen kann, wenn man verliebt ist. Mir lief es teilweise eiskalt den Rücken herunter. 

Dennoch ist das Buch so, so wichtig! Es zeigt, warum es überhaupt erst so weit kommen kann, dass Frauen zu opfern werden und letztendlich mit ihrer Wut, ihrer Angst, ihrer Scham (ja, leider) alleine dastehen.

Von mir gibt es hierfür 💜💜💜💜.


Vorschau auf 2026


"Das könnte mir nicht passieren"

Während ich diese beiden Romane gelesen habe, wurde mir plötzlich klar, warum wir oft gar nicht sehen können, dass sich da etwas Böses anbahnt. Und genau darauf werde ich in einem der nächsten Blogbeiträge näher eingehen.

Ich kann mir vorstellen, dass das einigen hilft, solche Situationen besser zu verstehen. Sicher hast du schon öfter gehört (oder auch selbst gesagt): "Sowas kann mir nicht passieren. Ich würde den achtkantig vor die Tür setzen" usw. 

Wenn es so leicht wäre, gäbe es nicht so viele Fälle von häuslicher Gewalt oder sogar Femizide.


Mein Schreibplatz

Im letzten Blogbeitrag hatte ich mir ja eine Wunschliste erstellt. Einer davon war, mir einen neuen Schreibplatz einzurichten. 

Ich habe also zwischen Weihnachten und Neujahr wie geplant die Farbrolle geschnappt und mein etwas chaotisches Näh- und Gästezimmer aufgeräumt, gestrichen, Möbel gerückt, Feinjustierung betrieben und habe jetzt ENDLICH einen festen Schreibplatz. 

Bald zeige ich ihn euch.


Mein Schreibprojekt

Seit ich wieder mehr Zeit und einen neuen Schreibplatz habe, komme ich auch mit meinem Roman weiter. Neue Ideen entstehen nebenbei ebenfalls; ich versuche die Stimmen noch im Zaum zu halten. 😉 

Freut euch auf Neuigkeiten zu meinem Ost-West-Roman. 


Habt ihr Wünsche oder Fragen? Was wolltet ihr schon immer mal über mich und meine Geschichten wissen? Nutzt gern die Kommentarfunktion dafür.

Lavendelige Grüße

Eure Marlene


Freitag, 10. Oktober 2025

20 Wünsche bis Silvester

Die wunderbare Marion von Beherzt Schreiben hat gestern ihre To-Want-Liste für den Herbst auf ihrem Blog gepostet und dabei so ein paar Rädchen bei mir in Gang gesetzt.

Ganz richtig, keine To-Do-Liste, sondern eine To-Want-Liste. Liest sich erstmal komisch, aber hat sie nicht recht? Ständig notieren wir uns, was wir noch alles erledigen MÜSSEN, dabei gibt es doch so viele schöne Dinge, die wir tun WOLLEN sollten.

Also habe ich bei meiner heutigen Gassi-Morgenrunde darüber nachgedacht, was ich bis zum Jahresende noch gerne machen möchte. Und da sind mir ein paar schöne Dinge eingefallen. Immerhin ist der Herbst meine liebste Jahreszeit und gibt den Staffelstab direkt an die Vorweihnachtszeit ab.

Hier also meine To-Want-Liste bis zum Jahresende:


Rund ums Schreiben

1. Die Rohfassung meines Romans fertigstellen und meiner ersten Testleserin überreichen. Derzeit stecke ich in der Überarbeitung, schiebe noch ein paar Szenen hin und her, spüre Lücken, Löcher und Logikfehler auf. Und das Ende muss ich auch noch schreiben. Irgendetwas hindert mich daran - ich werde herausfinden, was das ist.

2. Rezensionen verfassen. Vor kurzem war ich ziemlich erkältet und konnte noch nicht mal schreiben. Dafür habe ich aber richtig viel gelesen und meinen SuB verkleinert. Zu einigen der Bücher werde ich demnächst noch Rezensionen verfassen, denn da sind unter anderem die Bücher von Jürgen Knischewski, Enya Kummer und meiner liebsten Buchstabenfreundin Annelie Gerhard enthalten, die ich auf gar keinen Fall unkommentiert lassen möchte. 

3. Regelmäßig bloggen. Manchmal lasse ich mich so von meinem Alltag mitreißen, dass ich eine meiner liebsten Beschäftigungen, nämlich das Schreiben, versehentlich vergesse. Dabei mag ich Blogs (also auch meinen) total gern. Ich möchte langfristig einen Blogbeitrag pro Woche schaffen, starte aber zunächst mit zwei Beiträgen pro Monat

4. Ideen für meine Blogartikel notieren. Als Autorin bekommt man ja regelmäßig wunderschöne Notizbücher geschenkt, die fast zu schade zum Benutzen sind, aber natürlich niemals ungenutzt bleiben sollten.

5. Ideen für neue Bücher sortieren. Ich habe sooo viele Ideen, aber noch keine Priorität. Also möchte ich einfach mal alle Ideen in "schön" niederschreiben und dabei vielleicht herausfinden, worauf ich als Nächstes am meisten Lust haben werde.

6. Mit Autorenkolleg:innen zusammen einen Online-Adventskalender erstellen. Dazu kann ich im Moment noch nicht so viel sagen - seid gespannt.

7. Auf Instagram ein bisschen mehr zu meinem aktuellen Schreibprojekt verraten = die Hauptfiguren vorstellen, ein bisschen ins Setting und die Historie reinschnuppern lassen.

8.Im November an der Aktion #SchweigenBrechen teilnehmen, vielleicht mit Lesungen. Am 25. November findet der Orange Day statt. An diesem Tag, aber auch im gesamten Monat November, wird besonders auf Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Viele Infos dazu findet ihr auf der Seite vom Hilfetelefon.


Besondere Momente


9. Herbstmomente genießen. Das tue ich eigentlich sowieso täglich: 

bei meinen Gassirunden, 

beim Cappuccino oder Chai Latte am Nachmittag, 

beim Backen von Apfel-Streusel-Kuchen, 

beim Pilzesammeln, 

beim Kürbissuppe kochen, 

beim Lesen auf der Couch, eingemummelt unter der Wolldecke, während der Kamin prasselt.

10. Zeit mit meiner Familie verbringen. Ab September hat in unserer Familie eigentlich ständig jemand Geburtstag. Da alle weiter weg wohnen, freue ich mich, dass ich jetzt meine Liebsten häufiger sehen werde.

11. Weihnachtsplätzchen backen. Dieses Jahr definitiv früher als letztes Jahr und mehr davon - viel mehr.


12. Neue Rezepte ausprobieren. Seit ich mich vorwiegend pflanzenbasiert ernähre, wartet so eine Fülle an Rezepten auf mich, die ich unbedingt ausprobieren will, also wünsche ich mir gleich mal ein bisschen mehr Zeit in der Küche für mich.

13. Rechtzeitig Weihnachtsgeschenke besorgen und nachhaltig verpacken

14. Meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) weiter abbauen. Denn meine Weihnachtswünsche beschränken sich meistens auf Bücher, da brauche ich also Platz.

15. Meinen Schreibplatz optimieren bzw. mein Näh- und Schreibzimmer umräumen.

16. Zeit nur für mich finden. Das fällt mir zum Jahresende hin immer schwerer, weil einfach so viel auf mich einstürmt und so viele Termine anstehen, privat, beruflich und im Hobby.

17. Mich weniger von schlechten Nachrichten und negativen Kommentaren in den sozialen Medien triggern lassen.

18. Einen Pullover für mich nähen.

19. Ein Staudenbeet im Garten errichten.

20. Urlaub 2026 planen.



Donnerstag, 11. September 2025

Rezension zu "Die Passantin" von Nina George

Ein Roman, der nachhallt.

Nina George schreibt Romane, die berühren, ohne dabei kitschig zu sein. Sie erschafft Bilder, die bleiben und Figuren, die etwas zu sagen haben. Für mich ist sie eine Meisterin der Worte und ich freue mich auf jede Neuerscheinung. 

Mit Die Passantin hat sie mich aber so richtig erwischt. Vielleicht, weil es mein Thema ist. Vielleicht, weil es so ernsthaft ist. Manchmal unbequem und gleichzeitig hoffnungsvoll.

Während viele Romane (wie auch mein Buch Lügenjahre) häusliche Gewalt, toxische Beziehungen, patriarchale Handlungen im Jetzt zeigen, ist in Die Passantin die Protagonistin Jeanne Patou ganz plötzlich ein paar Schritte weiter:

Die gefeierte Schauspielerin hat durch einen schrecklichen Zufall die Möglichkeit, für tot gehalten zu werden. Aber ist sie wirklich frei, auch wenn sie die Freiheit auf dem Silbertablett angeboten bekommt? Sie könnte ihrem Mann entkommen, ihrem Peiniger, der sie zu seiner Marionette und zu seinem goldenen Zapfhahn gemacht hat.

Doch wenn sie tot ist, ist sie das nicht nur für sich, sondern vor allem für ihre beiden Töchter, für ihre Mutter, Freunde und für ihre Schauspielkarriere. Ein hoher Preis!

Ich glaube, nur Frauen, die jemals in einer solchen Beziehung gesteckt haben und nicht wussten, wie sie entkommen können, haben eine Ahnung, wie verlockend dieses Angebot sein kann. Auch meine Karla hat sich manchmal einfach "weg" gewünscht, wenn sie keine Kraft mehr hatte, um weiterzumachen. 

Jeanne Patou, die ihr früheres Leben und ihren wirklichen Namen für Bernard abgestreift hat, befindet sich also in Barcelona in einer Bar, während im Fernsehen ihr vermeintlicher Tod bekanntgegeben wird. Hin- und hergerissen zwischen diesem einmaligen Geschenk und den daraus resultierenden Verlusten wägt sie ab, fern von ihrem Pariser Zuhause. Sie weiß nur eins: Sie will nicht erkannt werden. Eine Begegnung führt sie zu einem Haus, in dem sie unsichtbar für die Außenwelt sein und nachdenken kann. 

In diesem Haus leben Frauen wie Jeanne: Frauen mit Narben im Gesicht und in der Seele, die ihr altes Leben abgestreift haben. Was sie erlebt haben, ist beim Lesen manchmal kaum zu ertragen.

Nina George hat die Geschichten der Frauen schonungslos, aber voller Liebe gezeichnet. Mit Worten, die wachrütteln, die wehtun, die trösten. Sie erzählt die Geschichte mit einer solchen Wucht, dass ich mich zwischendurch zu Lesepausen zwingen musste, um durchatmen zu können. 

Das Buch ist sicherlich nicht einfach zu lesen (literarisch definitiv, wie man das von der Autorin gewöhnt ist), aber es ist ein so wichtiges feministisches Buch. Es ist eindringlich, zeigt das Patriarchat aus vielen verschiedenen Blickrichtungen, zeigt die Verletzlichkeit und Stärke der Frauen. 

Der Spannungsbogen ist über den gesamten Roman hinweg äußerst hoch. Jedes Wort ist mit Bedacht gewählt, jeder Satz eine Melodie. Das ist Literatur vom Feinsten. 

Danke für dieses Buch, Nina! 

Mittwoch, 20. August 2025

Rezension zu "Rückkehr nach St. Malo" von Hélène Gestern

Dieses Buch hat mich mal wieder so richtig gepackt, vor allem sprachlich. Hier meine ausführliche Rezension:

Eine epische Familiengeschichte der Bretagne

„Die Rückkehr nach St. Malo“ hat mich vom ersten Kapitel an gefesselt. Hélène Gestern hat die Bretagne und die Gezeiten so sprachgewaltig beschrieben, dass ich gar nicht wieder auftauchen wollte aus diesem Roman.

Das Buch erzählt von Yann, dem Urenkel von einem der größten Reeder der Bretagne. Er erbt dessen Haus in Saint Malo, nachdem sein Vater, mit dem er zeitlebens im Zwist lag, verstorben ist. Eigentlich möchte er mit all dem nicht mehr viel zu tun haben und überlegt, das alte Arbeitszimmer seines Urgroßvaters Oktave de Kérambrun einfach leerzuräumen.

Doch dann entdeckt er dessen Geschäftstagebücher und taucht immer mehr in die Firmen- und Familiengeschichte der Kérambruns ein, bis er einem Geheimnis auf die Spur kommt, das wohl niemals aufgedeckt werden sollte. Immer wieder führen ihn Spuren auf die Insel Cézembre, die er vom Haus aus sehen kann.

Yann lernt während seiner Auszeit in St. Malo die geheimnisvolle Schriftstellerin Rebecca kennen, die von den meisten hier als Schneekönigin bezeichnet wird, weil sie so unnahbar ist. Doch ihre bisherigen Recherchen über die Reederfamilien der Bretagne helfen ihm bei der Entschlüsselung seiner Familiengeschichte.

Diesen Roman habe ich so gern gelesen. Natürlich schon allein deshalb, weil er in Frankreich und in der Bretagne spielt, aber niemals hätte ich mit einer solchen Sprachgewalt gerechnet. Die Autorin schafft mit jedem Satz Atmosphäre, beschreibt die Figuren sehr feinfühlig und lässt noch dazu eintauchen in geschichtliche Ereignisse. Was alles auf der kleinen Insel Cézembre während der Kriege geschehen ist, habe ich anschließend noch einmal nachlesen müssen.

Das Cover mit dem Atlantik und dem Blick auf die Insel ist zurückhaltend und lässt genug Raum für die große Geschichte darin.

„Das Meer wurde zum Archäologen und Entdecker, befreite den Strand vom Schmutz der Menschen und verwischte ihre Spuren – Turnschuhe, Kinderfüße, Hundepfoten -, um neue, bedeutendere zu zeichnen: seidig glatte Flächen, Täler aus feinem Kies, ein geheimnisvolles Netz aus Bächen, Wellen und Falten, dem das Auge bis zur Erschöpfung folgt.“

Wer riecht bei solch einer Beschreibung nicht die Meeresluft, hört nicht die Wellen rauschen?

Von mir definitiv volle Punktzahl.

Ich danke Vorablesen und dem Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar und der Autorin für diesen wunderbaren Schatz in meinem Bücherregal.


Donnerstag, 24. Juli 2025

Rezension zu "Der Äthiopier" von Dorrit Bartel

Ein Leben, das kaum in einen Roman passt

Eher zufällig bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, nämlich als ich mit meinem eigenen Büchertisch neben dem von Dorrit Bartel stand. Das war Ende April bei der Parchimer Buchmesse. Interessiert verfolgte ich die Gespräche am Stand über das Buch „Der Äthiopier“ und über Dorrits Erfahrungen in Afrika. Ich las den Klappentext und wusste, dass ich den Roman lesen musste.

In den letzten Tagen kam ich dann endlich dazu und jetzt lässt er mich sprachlos und nachdenklich zurück.

Adane ist ein äthiopisches Savannenkind, von seinem Vater als Schwächling bezeichnet und auf eine Missionsschule abgeschoben. Dort verliert er seinen eigentlichen Namen, muss Strafen über sich ergehen lassen, sich völlig neuen Regeln unterordnen. Er vermisst seine Mutter und seine Geschwister, doch es gibt kein Zurück.

Von da an ist und bleibt das Lernen Teil seines Lebens. Sein größter Wunsch ist es, Medizin zu studieren, um später Menschen helfen zu können. Doch geleitet und umgeleitet wird er immer und immer wieder durch die Politik seines Landes. Er kommt zum Studieren in die DDR und kehrt als Politiker zurück nach Äthiopien, wo das Ende des Sozialismus für ihn das Gefängnis und womöglich die Todesstrafe bedeutet. Doch er hat Glück und landet wieder im Osten Deutschlands. Dort ist sein Leben bestimmt von Lernen, harter Arbeit, Rassismus, aber auch von Liebe. Doch als er später in seine Heimat zurückkehrt, findet er dort seine Bestimmung.

Adanes Leben nachzulesen, ihn als Leserin zu begleiten, hat mich teilweise sprachlos gemacht. Wie dieser Mensch sich durchs Leben gekämpft hat und immer wieder neue Herausforderungen gemeistert hat, ist bewundernswert.

Über das Leben in Äthiopien oder in einem anderen afrikanischen Land weiß ich so gut wie nichts. Es ist eine völlig andere Welt. Die zum Teil erschütternde Geschichte von Adane hat mir sehr viel davon gezeigt. Trotz all der Umbrüche und Krisen hat er sich nie unterkriegen lassen. Er hat stets gearbeitet und gelernt, um voran zu kommen, und hat sich aufopfernd um andere gekümmert.

Ich bin froh, dass ich Dorrit Bartel kennengelernt habe und auf das Buch aufmerksam geworden bin. Der schnörkellose, eher berichtende Schreibstil hat mich von Seite zu Seite getragen und gefesselt. Ein perfekter Rahmen für diese Lebensgeschichte, die auf einer wahren Begegnung beruht.

Mein Fazit: Solche Geschichten müssen gelesen werden! 5 von 5 Sternen!



Donnerstag, 26. Juni 2025

Rezension zu Lavendel-Wut von Carine Bernard

Ein geklautes Gipfelschild, eine mysteriöse Leiche und dazwischen Lavendel

Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem neuen Roman aus der Reihe einfach an meinen liebsten Urlaubsort zurückkehre, und das, obwohl ich Carpentras noch nie persönlich besucht habe. Aber Carine Bernard schafft es, genau das zu vermitteln: 

Dieses leichte und warme Gefühl, das sich in dir breit macht, wenn du nach einem Jahr wieder deine Koffer in deinem Hotelzimmer oder deiner Ferienwohnung auspackst. 

Dann erstmal über den bunten Markt schlendern, eine Kleinigkeit essen, vielleicht sogar Bekannte treffen und den Abend bei einem Glas Wein aus der Region ausklingen lassen.

Auch Lilou Braque, die Kommissarin, finde ich sehr authentisch dargestellt. Sie durfte sich von Roman zu Roman weiterentwickeln. Dies gilt auch für ihre Beziehung zu Simon, ihrem Verlobten. In Lavendel-Wut sind die zwei so sehr mit ihrer Arbeit und ihren eigenen Planungen beschäftigt, dass sich Missverständnisse, Ärger und Wut anhäufen. Als Leserin hätte ich am liebsten die Rolle der Vermittlerin übernommen. Dieser zwischenmenschliche Part macht die Krimireihe rund und nahbar.

Hauptbestandteil ist natürlich die Aufklärung eines Kriminalfalls: Zunächst scheint der tote Radrennfahrer, den Lilou zufällig bei der Suche nach dem gestohlenen Gipfelschild des Mont Ventoux entdeckt, nur Opfer eines Verkehrsunfalls zu sein. Einer der Verrückten, die diese halsbrecherischen Radtouren rund um den Mont Ventoux absolvieren. Doch der Tote lebt erst seit zwei Jahren in der Provence und niemand weiß, wo er her kommt.

Eigentlich läge der Fall im Zuständigkeitsbereich der Gendarmerie, aber Staatsanwalt Beringer ordnet eine Zusammenarbeit mit der Police Nationale an, der Lilou angehört. Auf beiden Seiten ist niemand glücklich darüber. Als Spuren des Toten nach England führen, bekommt Lilou Unterstützung durch ihren britischen Kollegen, der von der Provence so begeistert ist, dass sie ihm so viel wie möglich davon zeigen will.

Die Aufklärung des Falls gestaltet sich kompliziert und nicht ohne Gefahren. Dennoch wird die Spannung (zum Glück) nicht so hoch gehalten, dass man danach nicht einschlafen kann. Auch die Länge des Bandes – wie auch schon der vorherigen – finde ich genau richtig.

Ich mag besonders die Mischung aus den spannenden Fällen, die Lilou Braque mit ihrem Team aufzuklären hat, und das bildhaft erzählte Drumherum. Für mich genau die richtige Menge an Landschaftsbeschreibungen und leckeren Gerichten der Provence.

Schon jetzt freue ich mich auf meinen nächsten Lese-Aufenthalt in Carpentras und den dazugehörigen Hauch von Lavendel.

Vielen Dank an Carine Bernard und den Verlag Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar! 

Mittwoch, 21. Mai 2025

Schreibroutine finden

Jetzt schreibe ich schon so lange, aber eine richtige Schreibroutine hatte ich noch nie. Zumindest bis vor ein paar Wochen. Ich hatte weder einen festen Ort noch feste Schreibzeiten und dachte, das brauche ich nicht. Und das, obwohl ich sonst ein sehr strukturierter Mensch bin.

Doch irgendwie fehlte mir die Motivation, dranzubleiben. Mehrfach fragte ich mich, wieso es mir so schwerfiel, mich hinzusetzen und zu schreiben.

Während einer meiner morgendlichen Gassirunden (immer zur gleichen Zeit, egal welches Wetter, egal welche Jahreszeit) machte es plötzlich Ping! Über das Gassigehen machte ich mir nämlich nie Gedanken. Ich tat es routiniert, ohne groß drüber nachzudenken. Anziehen, Hunde anleinen, Kackibeutel einpacken, losziehen. 

Das war DIE Idee! Ich musste mich also einfach an den Schreibtisch setzen, den Laptop aufklappen und drauflos schreiben. Sonst nix!

Teil dieser Erkenntnis war für mich übrigens auch, einen festen Schreibplatz einzurichten, sodass ich nicht noch unschlüssig mit dem Laptop hin- und herschleichen muss. Den Ort fand ich im Näh- und Gästezimmer. Stets liegt ein Notizblock bereit, auf den ich Punkte notiere, die während des Schreibens auftauchen, aber später gelöst werden können. Dann muss ich den Schreibfluss nicht unnötig unterbrechen, um etwas im Internet zu recherchieren. Das sind zum Beispiel Namen für eine Nebenfigur oder Infos zu einem historischen Schauplatz. 

Seither sieht mein Start in den Tag so aus: Aufstehen, duschen, ein großes Glas Wasser trinken, Hunde schnappen, rausgehen. Unterwegs stimme ich mich schon auf meine Geschichte ein. Wenn ich wieder zuhause bin, setze ich mich sofort an den Laptop (Handy ist gaaaanz weit weg), öffne die Datei und schreibe los. Durch das vorherige Visualisieren, während ich die Morgenluft inhaliere und über die taufrischen Wiesen laufe, bin ich schon fokussiert. 

Vorgenommen habe ich mir: eine halbe Stunde täglich und rund 500 Wörter.

Was ich schaffe: 30 bis 45 Minuten und 600 bis 800 Wörter. 

Ganz ohne Stress. Ohne Grübeln. Eher fällt es mir schwer, aufzuhören, aber der Brotjob ruft.

Die täglichen Schreibsequenzen helfen mir den ganzen Tag über dabei, ganz nah an der Geschichte zu bleiben. Nie waren mir meine Figuren näher als jetzt, haben sie mir mehr über sich verraten als sonst. 

Ohne Termindruck (den ich mir vorher selbst gemacht habe) sehe ich jetzt das Ziel vor Augen und das Wörtchen "Ende" rückt sichtbar näher.

Wie ist das bei dir? Hast du Schreibroutinen? Wenn ja, welche? 



Da bin ich wieder!

Wie ihr mitbekommen habt, liegt eine laaange Blogpause hinter mir. Der Grund: Von Spätherbst bis Spätwinter ist mein privates Ich ständig un...