Wie ihr mitbekommen habt, liegt eine laaange Blogpause hinter mir. Der Grund: Von Spätherbst bis Spätwinter ist mein privates Ich ständig unter Strom. Deshalb habe ich so gut wie gar nicht geschrieben, weder an meinem Romanprojekt noch auf social media noch hier im Blog.
Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen, hattet ein schönes Weihnachtsfest, habt gelebt, gelacht, geliebt. 😊
Urlaub
Anfang Januar waren wir ein paar Tage im Urlaub. Mein Koffer war voll mit Büchern. Und zwischen endlos langen Strandspaziergängen an der verschneiten Ostsee, kleineren Ausflügen und Café- und Restaurantbesuchen habe ich vor allem gelesen. Herrlich, sag ich euch! 💜Lesezeit
Zwei der Bücher haben mich voll erwischt. In beiden geht es um die Rolle der Frau, um narzisstische Verhaltensweisen, um Misogynie (= Frauenhass). Beide Romane spielen zu völlig unterschiedlichen Zeiten in komplett anderen Gegenden, aber sie verbindet eins:
Der Kampf, als Frau ernstgenommen zu werden (oder auch der Kampf, als Frau zu überleben).
"Der gefrorene Fluss" von Ariel Lawhon
Maine, 1789: Als der Kennebec River zufriert und die Leiche
eines toten Mannes im Eis sichtbar wird, soll Martha Ballard den Leichnam
untersuchen und die Todesursache feststellen. Als Hebamme und Heilerin ist sie
in vieles eingeweiht, was sich hinter verschlossenen Türen in der Kleinstadt
Hallowell abspielt.Ihr Tagebuch ist eine Aufzeichnung aller Geburten und Todesfälle, Verbrechen und Debakeln, die sich in der engen Gemeinschaft ereignen. Monate zuvor dokumentierte Martha die Einzelheiten einer angeblichen Vergewaltigung, die von zwei der angesehensten Herren der Stadt begangen wurde – einer von ihnen wurde nun tot im Eis aufgefunden.
So ist Martha sich sicher, dass sie es hier mit einem Mord zu tun hat. Doch ein örtlicher Arzt widerlegt ihre Schlussfolgerung und erklärt den Tod für einen Unfall.
Martha ist entschlossen, den schockierenden Mord auf eigene Faust zu untersuchen (Auszug aus dem Klappentext).
Ein historischer Krimi, der auf den Tagebucheinträgen der realen Person und Hebamme Martha Ballard basiert. Teils fiktional, teils real aufgearbeitet und unfassbar spannend.
Ich konnte mich kaum von dem Buch lösen, war voller Bewunderung für diese mutige Frau. Martha wurde zwar zu fast jeder Geburt gerufen, aber gemocht wurde sie trotzdem nicht von allen. Doch sie hat sich nichts bieten lassen, hat immer für Gerechtigkeit gekämpft und "ihre Frauen" beschützt, so gut es ging. Und dabei - sehr ungewöhnlich für diese Zeit - hatte sie stets die volle Unterstützung ihres Mannes.
Auch der Schreibstil der Autorin wurde dieser intensiven Geschichte gerecht, die Beschreibung des kalten Winters ließ mich beim Lesen manchmal selbst frösteln.
Ein wirklich guter Roman und für alle geeignet, die historische Romane mit realen Hintergründen lieben. Von mir gibt es volle Punktzahl. 💜💜💜💜💜
"Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas
Eine radikal ehrliche Anklage an toxische Beziehungen und das System, das sie ermöglichtNominiert für den Deutschen Buchpreis 2024 und für den
aspekte-Literaturpreis 2024
Klappentext:
Die späten Nullerjahre, frühen 2010er Jahre in einer
ostdeutschen Kleinstadt: Die schönste Version erzählt die Geschichte von Jella
und Yannick, von der ersten großen Liebe, die alles richtig machen will. Bis es
kippt. Wieder zurück in ihrem Kinderzimmer fragt Jella sich, wie es so weit
kommen konnte. Sie schaut noch einmal genauer hin: auf ihr Aufwachsen in der
Lausitz. Kleinstadt und Kiesgruben, Gangsterrap und Glitzerlipgloss. Auf
Freundinnen, die sie durch so vieles trugen. Und auf den Moment, in dem Yannicks
Hände sich um ihren Hals schlossen.
Die schönste Version ist die Geschichte eines
Erwachens, Erkennens, Anklagens, eine große Introspektion: Ruth-Maria Thomas
schreibt über das Frauwerden, Frausein, von Körpern, Begierden und tiefen
Abgründen. Mit stilistischer Brillanz, großer Leichtigkeit und Drastik erzählt
Ruth-Maria Thomas in ihrem funkelnden Debütroman von den schönsten Dingen. Und
den schrecklichsten.
Eine völlig andere Geschichte, die in den 2010er Jahren in einer ostdeutschen Kleinstadt spielt. Die Geschichte um Jella und Yannick ist wuchtig, direkt, hart. Manchmal tut es weh, weiterzulesen. Dieses Buch ist nicht für jeden etwas. Der Untertitel "Eine radikal ehrliche Anklage an toxische Beziehungen und das System, das sie ermöglicht" sagt sehr viel darüber aus, was dich beim Lesen erwartet.
Hier ist nichts romantisch geschildert, es gibt keine blumigen Umschreibungen, sondern die Realität und den Alltag aus Sicht der Ich-Erzählerin Jella. Manche Szenen sind so direkt, dass sie abstoßend wirken.
Und wer selbst schon eine toxische Beziehung hinter sich hat, könnte in einigen Passagen an eigene Erlebnisse erinnert werden, die man vielleicht lieber weggeschlossen lassen möchte.
Auch mir ging es so. Die Autorin hat sehr gut die ersten ganz kleinen Anzeichen geschildert, die man leider selbst nicht sehen kann, wenn man verliebt ist. Mir lief es teilweise eiskalt den Rücken herunter.
Dennoch ist das Buch so, so wichtig! Es zeigt, warum es überhaupt erst so weit kommen kann, dass Frauen zu opfern werden und letztendlich mit ihrer Wut, ihrer Angst, ihrer Scham (ja, leider) alleine dastehen.
Von mir gibt es hierfür 💜💜💜💜.
Vorschau auf 2026
"Das könnte mir nicht passieren"
Während ich diese beiden Romane gelesen habe, wurde mir plötzlich klar, warum wir oft gar nicht sehen können, dass sich da etwas Böses anbahnt. Und genau darauf werde ich in einem der nächsten Blogbeiträge näher eingehen.
Ich kann mir vorstellen, dass das einigen hilft, solche Situationen besser zu verstehen. Sicher hast du schon öfter gehört (oder auch selbst gesagt): "Sowas kann mir nicht passieren. Ich würde den achtkantig vor die Tür setzen" usw.
Wenn es so leicht wäre, gäbe es nicht so viele Fälle von häuslicher Gewalt oder sogar Femizide.
Mein Schreibplatz
Im letzten Blogbeitrag hatte ich mir ja eine Wunschliste erstellt. Einer davon war, mir einen neuen Schreibplatz einzurichten.
Ich habe also zwischen Weihnachten und Neujahr wie geplant die Farbrolle geschnappt und mein etwas chaotisches Näh- und Gästezimmer aufgeräumt, gestrichen, Möbel gerückt, Feinjustierung betrieben und habe jetzt ENDLICH einen festen Schreibplatz.
Bald zeige ich ihn euch.
Mein Schreibprojekt
Seit ich wieder mehr Zeit und einen neuen Schreibplatz habe, komme ich auch mit meinem Roman weiter. Neue Ideen entstehen nebenbei ebenfalls; ich versuche die Stimmen noch im Zaum zu halten. 😉
Freut euch auf Neuigkeiten zu meinem Ost-West-Roman.
Habt ihr Wünsche oder Fragen? Was wolltet ihr schon immer mal über mich und meine Geschichten wissen? Nutzt gern die Kommentarfunktion dafür.
Lavendelige Grüße
Eure Marlene











