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Montag, 12. Mai 2025

Neuerscheinung: In vollen Zügen - eine Anthologie von Wortgewandt

 

So eine schöne Anthologie, die hier zusammen mit der Buchschmiede und dem Treffpunkt Schreiben entstanden ist. Dass meine Kurzgeschichte „Paradiesvögel“ Teil davon sein darf, macht mich unheimlich stolz und glücklich. 

„In vollen Zügen“ lautet der Titel. In 15 Texten wurde das Thema wunderbar vielfältig umgesetzt. Ich wurde mitgenommen auf Zugreisen der ganz besonderen Art und habe mein Herz an Figuren verloren, die ganz und gar nicht fiktiv wirkten, sondern echt und menschlich. Wenn ich solche Storys lese, bin ich mir hundertprozentig sicher, dass die KI es niemals schaffen wird, solche Tiefe, Wahrheit und Einzigartigkeit zu erschaffen.

Kauft, lest, verschenkt diese wunderschöne Anthologie. Der Reinerlös aus dem Buchverkauf geht an die Straßenzeitung Der Augustin. Deren Verkauf hilft Menschen, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Asylbewerber:innen, Armutsbetroffene usw.). 

Meine Highlights: 

„Bunter, freier, leichter“ von Jochen Mariss. Eine Wette, ein Apfel und ein Finale, das mich sehr hat schmunzeln lassen. Schöner Titel und fein zu lesen.

„Der Tag, an dem das Meer beschließt, nicht mehr zu rauschen“ von Sabrina Lior mit einem Thema, das wir solange ausblenden, bis es uns oder unsere Lieben erwischt. Die Autorin hat es in eine unglaublich liebevolle Geschichte verpackt, die mich sehr berührt hat.

„Die lange Nacht der Krokodile“ von Andreas Rodenheber hat mich ebenfalls sehr angerührt. Es geht um Verlust und die Erinnerungen, die bleiben dürfen.

Bei der erstplatzierten Geschichte „Elsi und Leonor“ von Claudia Vonmoos hat mich direkt der erste Satz geflasht.

In weiteren Geschichten geht es um die unheimliche Kraft von bespielten Alphörnern, um den Kampf von Licht und Dunkelheit, um unpünktliche Zugverbindungen, bei denen es beinahe um Leben und Tod geht.

Meine eigene Geschichte „Paradiesvögel“ möchte ich nicht bewerten. Nur so viel: die Idee hat mich beinahe überfahren, als ich für mein aktuelles Projekt recherchiert habe. Von der ersten Zeile an habe ich die Story nicht nur geschrieben, sondern gelebt, ja beinahe geatmet. Vielleicht, weil es eine tiefe historische Verbindung gibt, jedoch keine biografische.

Danke an Treffpunkt Schreiben, die Buchschmiede und das Jury-Team für die professionelle und herzliche Begleitung während der Entstehung. Das Ergebnis spricht für sich.

ISBN: 9783991811749
EUR 12,90

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Freitag, 9. Mai 2025

Warten (Kurzgeschichte vom Nordhessischen Autorenpreis 2019/20)

»Auch wieder hier?« Ich setze mich ihm gegenüber an den kleinen Tisch, auf dem ein zerfleddertes Rätselheft liegt.
   Er schaut kurz hoch, seine blauen Augen wirken abwesend. Eigentlich wie immer, und doch ist heute irgendwas anders. Er ist gar nicht richtig da, sein Nicken nur angedeutet. Er weiß nicht, dass ich gestern auch schon hier war. Und vorgestern.
   Wie sich die Haut im Alter doch verändert, denke ich, während ich ihn betrachte. Hier begegnen mir häufig alte Menschen, und sie alle haben die gleiche wächserne Haut. Die Runzeln, die noch wenige Jahre zuvor von einem bewegten Leben zeugten, werden konturlos und verlieren an Spannung. Wie ein Filter, eine Art Weichzeichner, der das Leben langsam ausradiert.
   Wenn das hektische Geklapper der Geschirrwagen nach dem Mittagessen wieder verstummt, aber noch keine Besucher auf der Station sind, komme ich hierher. Vom Fenster am Ende des Flures kann ich auf den hellgrünen Gebäudekomplex gegenüber schauen, in dem mein Büro ist. Ihm ist es wahrscheinlich egal, ob ich hier bin oder nicht. Er nimmt kaum Notiz von mir, wartet auf seine Frau. Jeden Tag um die gleiche Zeit.
   Er versucht, in seinem Rollstuhl Haltung anzunehmen, wenn sie kommt. Doch sein Körper erinnert sich nicht mehr, bleibt schlaff und krumm.
   »Wie alt sind Sie eigentlich?«, frage ich neugierig. Ich sieze ihn, er kennt mich ja nicht.
   Sein Blick wandert von der Stationstür zu mir. »Dreiundzwanzig.« Er schaut mich ernst an.
   »Dann bin ich ja ein ganzes Jahr älter als Sie«, gebe ich erstaunt zurück.
   »Dafür haben Sie sich aber gut gehalten«, meint er trocken und nickt anerkennend. Tausend kleine Fältchen umrahmen plötzlich seine Augen wie Sonnenstrahlen und er prustet los. 
   Ich stimme mit ein. Eine Träne, die aus dem Augenwinkel über seine gerötete Wange kriecht, wischt er unbeholfen weg. In diesem Moment leuchten seine Augen wie schon lange nicht mehr.
   Sein Blick wandert wieder zur Tür.
   »Ihre Frau kommt sicher gleich«, sage ich, um das Gespräch aufrecht zu erhalten.
   »Meine Frau? Nein, nein, ich warte auf den Zug. Meine Frau ist schon vorgefahren.«
   Er macht schon wieder Witze, denke ich und schaue ihn an. Aber nein, diesmal meint er es ernst. Er blickt auf den weißen Streifen an seinem Handgelenk, wo früher die Uhr war.
   »Wo wollen Sie denn hinfahren?«, frage ich ihn.
   »Nach Kassel. Und dann weiter nach Hamburg. Meine Frau wartet in Kassel auf mich. Wir haben gestern geheiratet«, erzählt er glücklich.
   »Das ist ja toll, herzlichen Glückwunsch!« Seltsam, so mit ihm zu plaudern. Aber er freut sich und lächelt mich an. »Danke. Sie ist die schönste Braut in ganz Hessen.«
   »Das glaube ich«, erwidere ich. Ich freue mich, dass er heute so viel mit mir redet. Das macht er selten.
   »Möchten Sie auch einen Kaffe?« Ich deute auf den Automaten an der Wand.
   »Das heißt Kaffee. Meine Frau vergisst das auch immer.«
   »Okay.« Ich muss grinsen. »Und? Möchten Sie?«
   »Was?« Jetzt ist sein Blick plötzlich wieder leer, das Funkeln verschwunden.
   »Einen Kaffee?«, wiederhole ich.
   »Nein, mein Zug kommt gleich«, murmelt er gedankenverloren.
   Die Tür schwingt auf und eine Frau kommt lächelnd auf uns zu.
   »Hallo Oma«, sage ich, drücke meine Großmutter kurz und lege meinem Großvater zum Abschied die Hand auf die Schulter. »Ich muss wieder rüber.«
   »Mach´s gut, Junge.« Erstaunt blicke ich ihn an. Mein Großvater zwinkert mir zu und hebt die Hand zum Gruß.
   Ein letztes Mal.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Gruseln für den guten Zweck - mit der neuen Sternzeit-Anthologie

"Noch eine Anthologie?", höre ich da den einen oder anderen sagen. Aber hey: Diese Kurzgeschichtensammlung ist etwas ganz Besonderes. 

Schau dir dieses Buch nur mal an!

Der Tiger springt dir beinahe entgegen. Du hast gar keine andere Möglichkeit, als nach dem Buch zu greifen, stimmts?

Der Umschlag des Taschenbuches fühlt sich samtig an, irgendwie lebendig. Vielleicht liegt das an dem, was drin steckt?

Denn diese 28 Geschichten und Gedichte werden dich nicht sanft in den Schlaf lullen. Nein, sie werden dir den Schlaf rauben, sie werden dich zittern lassen!

Du wirst dreimal kontrollieren, ob du deine Haustür abgeschlossen hast, wirst deine Kellertür verbarrikadieren, eine Eisenpfanne unter dem Kopfkissen verstecken, die Jalousien herunterlassen und deine Decke über den Kopf ziehen, bevor du das Buch aufschlägst und im Schein der Taschenlampe zu lesen beginnst ... Wie gesagt, die Anthologie hat es in sich.

Was uns Autoren dazu bewogen hat, mitten im Sommer Gruselgeschichten zu veröffentlichen?

Das war die gemeinsame Freude am Schreiben, das Abenteuer, das dieses Genre uns eröffnet hat. Gruselgeschichten offenbaren unsere größten Ängste, aber auch fast immer eine Lösung dazu. Sie sind eine Flucht aus der realen Welt, beflügeln die Fantasie, lassen das Herz höher schlagen und uns sanft wieder auf dem Boden der Realität landen.

Haben wir nicht schon als Kinder gern Schauergeschichten erzählt und gehört? Die Gänsehaut genossen, die uns über den Rücken gekrochen ist? Und dabei geflüstert und das große Licht ausgeschaltet, um die knisternde Spannung bis zur Unerträglichkeit zu erhöhen?

Genau deshalb sind diese Geschichten entstanden. Von Anfang an war uns dabei klar, dass wir den Erlös spenden werden. Und zwar für Kinder.

Schon in der letzten Anthologie haben wir den Verein Viel Farbe im Grau e.V. unterstützt. Die lieben Menschen dort sorgen unter anderem dafür, dass schwerkranke Kinder sich einen ihrer größten Wünsche erfüllen können, zum Beispiel eine Reise ans Meer oder einen Flug mit dem Helikopter.

Wir als AutorInnen der Facebook-Gruppe "Autoren-Sternzeit" sind stolz darauf, dass wir mit dazu beitragen können, die Wünsche dieser Kinder zu erfüllen und ihnen und ihren Familien ein paar glückliche Momente schenken zu können.

Und womit könnten wir das besser als mit unseren Geschichten?

Wenn ich dich jetzt neugierig gemacht habe, dann musst du nur noch auf den Link im nächsten Satz klicken. Das Buch ist erhältlich als Taschenbuch und als eBook bei Amazon.

Dich erwarten fast 400 Seiten Spannung und Gänsehaut, unter anderem auch meine Geschichte "Pfotenwandler".

Gruselige Grüße,

Marlene



Mittwoch, 18. November 2020

Weihnachtliche Kurzgeschichten für einen guten Zweck

 

Ich freue mich, dass ich heute eine ganz besondere Geschichtensammlung vorstellen darf. 

24 Autoren der Facebook-Gruppe "Autoren_Netzwerk" haben im vergangenen Frühjahr bei unwinterlichen Geschichten rund um Weihnachten verfasst. Geschichten zum Lachen und Weinen, zum Träumen und Nachdenken. Für jeden Tag im Advent eine zauberhafte Geschichte - also ein ganz besonderer Adventskalender. 

Dieses Buch passt perfekt unter den Weihnachtsbaum, schließlich heißt es ja auch so: 

"Geschichten unterm Tannenbaum".

Ganz besonders stolz bin ich, dass auch meine Geschichte "Kamingespräche" für diese Anthologie ausgewählt wurde.

Wir Autoren haben bei dieser Anthologie auf unsere Tantiemen verzichtet. Den Betrag, der dadurch zustande kommt, spenden wir der Organisation "Brot & Bücher e. V." (https://brotundbuecher.de/)

Das Buch könnt Ihr überall dort bestellen, wo es Bücher gibt. Solltet Ihr aus dem Kasseler Umland kommen, könnt Ihr das Buch gerne direkt bei Schreibwaren Schmidt in Bad Emstal oder in der Buchhandlung Mander in Wolfhagen erwerben. 

ISBN: 978-3946762478, Herausgeber: telegonos-publishing, Preis: 13,90 EUR

... oder als Kindle-Ausgabe: https://www.amazon.de/Geschichten-unterm-Tannenbaum-telegonos-publishing-ebook/dp/B08MLJQWDY/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=&sr=



Für alle Colliens, Giseles und Karlas dieser Welt

  Starke Frauen – jetzt erst recht! 💜 Auf Instagram habe ich im März – dem Monat, an dem der Internationale Frauentag gefeiert wird – imme...